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Party Party Party

(Das im folgenden Beschriebene liegt bereits über ein Jahr zurück. Mit diesem zeitlichen Abstand sei es gestattet, die Erlebnisse und geheimen Gedanken einer Mutter zu veröffentlichen, die in jener Nacht vergessen hat, dass sie auch einmal jung war).

Der sechzehnte Geburtstag stand bevor.

Vorsichtig fragte der Sohnemann, ob es eine Möglichkeit gäbe, diesen bei uns daheim zu feiern. Eigentlich sollte es eine 32er-Feier (16x2) werden, gemeinsam mit seinem Freund, mit ungefähr so vielen Gästen.

 

Da wir weder einen Partyraum noch eine feiertaugliche Garage haben, kamen wir überein, Wintergarten und Wohnküche zu einer „Partylocation“ zu machen. „Raum ist in der kleinsten Hütte“, pflegte mein Schwiegervater zu sagen. Und so waren wir sicher, die gut 30 jungen Menschen in unseren privaten Räumlichkeiten unterzubringen.

 

Um die Getränke kümmerte sich der Junior gemeinsam mit seinen Freunden.

Was sie essen wollten, fragte ich.

„Mama, Essen ist nicht so wichtig“, bekam ich als Antwort.

Weil ich weiß, dass Essen wichtig ist, gerade wenn Alkohol im Spiel ist, ließ ich mich nicht abwimmeln. Mit sanftem Nachdruck brachte ich das Essensthema immer wieder auf den Tisch. Er war schon ein bisschen genervt, weil ich immerzu von der Geburtstagsjause sprach.

Ich bestellte etwas. Ja nicht zu viel, weil Essen ja nicht so wichtig ist.

 

Dann die Tage vor der Party: Großes Auf- und Ausräumen, was Dank Papa und Geschwistern super funktionierte. Ich kommandierte sie hustend herum.

 

Möglichst viele Schlafplätze sollte es auch geben, da bei uns nicht viertelstündlich ein öffentliches Verkehrsmittel vorbeifährt. Also wurden alle Matratzen im Haus herbeigeschleppt und an allen möglichen freien Stellen aufgelegt. Wie viele dann tatsächlich übernachten wollten, dazu gab es keine konkreten Angaben.


Dann der Abend der Party.

Alles war angerichtet.

Ich war ein bisschen nervös.

Der Sohn weilte noch im Fußballtraining und wollte um spätestens 20.45 Uhr daheim sein. Offiziell sollte die Feier um 21 Uhr beginnen. Um 19.30 Uhr kamen die ersten jungen Leute, ich würde sagen, es war ein Dutzend.

Ich war ein bisschen überfordert. Bevor ich mich verzupfte, gab ich noch kurz bekannt, dass sie sich bei den Getränken bedienen dürften und sich „wie zuhause fühlen“ sollten.

Ja, sie nahmen diese Aufforderung wörtlich und pendelten zwischen der Dartscheibe im Zimmer des Sohnes und unserer Küche hin und her, während ich mit riesigen Ohren auf meinem Bett saß und das Heimkommen des Sohnes ungeduldig erwartete. Der Göttergatte hatte sich für eine kleine Weile ins Wirtshaus vertschüßt.

 

Dann endlich kam das Geburtstagskind.

Ich wagte noch einen kurzen Abstecher in die Küche und bemerkte die gähnende Leere auf der Jausenplatte – alles weggeputzt, und das gut zehn Minuten nach dem Auftragen. Aber Essen ist ja nicht so wichtig für eine Horde Heranwachsender.

Meinen Vorschlag, noch Speck und Wurst aus dem Kühlschrank aufzuschneiden, wehrte der Sohn mit einer für ihn ungewöhnlich scharfen Ansage ab. Ich verstand, dass es jetzt genug war mit meiner mütterlichen Einmischung.

 

Im Schlafzimmer schaute ich Blödsinn-Videos, knabberte an meinen Apfelringen herum und hatte es eigentlich ganz gemütlich.

Vor dem Schlafen wollte ich noch schnell und unbemerkt das stille Örtchen aufsuchen. Besetzt. Die Begegnung auf meinem Schleichweg zu Omas Toilette im Untergeschoss in Nachthemd und Bademantel hätte ich mir und den anderen lieber erspart.

Aber egal, nun konnte ich mich hinlegen und erst munter werden, wenn alles vorbei wäre (Zitat Ehemann). Er machte es nämlich so. Hinlegen, schlafen, auf Durchzug schalten.

 

Ich hab´s versucht, wirklich.

Doch spätestens, als sich im Vorhaus eine kleine Gruppendiskussion samt Eifersuchtsszene entwickelt hatte, der DJ unsere heiligen Hallen mit seinen harten Beats erfüllte und es mir durch den Kopf schoss, dass vielleicht jemand unser Schlafzimmer als Rückzugsort für ein kleines Techtelmechtel entdecken könnte, wurde ich etwas unrund.

 

Ich fragte mich, wie naiv ich gewesen war.

Hatte ich tatsächlich geglaubt, dreißig Pubertierende würden brav um den Esstisch sitzen, Chips knabbern und bei dezenter Musikuntermalung Monopoly spielend Mineralwasser trinken?

 

Sie machten richtig, richtig Party in unserer Küche.

Mein Kopfkino lief wie verrückt und ich pendelte gedanklich zwischen „wenn ich nur wüsste, was die alles anstellen“ und „gut, dass ich nichts sehe“ hin und her. Mir in den schwärzesten Farben ausmalend, was alles passieren könnte, schrieb ich dem Sohn eine eindringliche Nachricht. Er müsse unbedingt sofort kommen, sollte etwas aus dem Ruder laufen. Seine entspannte Antwort ließ mich dann doch irgendwann einschlafen.

Vorher hatte mich meine mentale Stütze des Abends, unsere Tochter, noch mit Chips versorgt, weil ich vor lauter Aufregung Hunger bis zum Anschlag hatte und mir ja nicht so einfach ein Wurstbrot in der Küche holen konnte.

 

Also dann, Schlaf.

Nach zwei Stunden wurde ich munter. Die Musik dröhnte nicht mehr ganz so wild. Aber ich musste, ob ich wollte oder nicht, wiederum einen kurzen Sprint zum WC wagen. Diesmal schaffte ich es unentdeckt hinein. Die Erleichterung währte nur kurz, denn das vehemente Klopfen an die Tür, verbunden mit der Aufforderung „bitte schnell“, ließ nichts Gutes erahnen. Ich machte, so schnell ich konnte, sperrte die Tür auf und … naja, …, das kann wirklich jedem oder jeder mal passieren…. Übelkeit ist übel. Nach einem großen Ausweichschritt über die Unpässlichkeit auf dem Boden huschte ich ins Schlafzimmer, wo ich erstaunlicherweise schnell wieder einschlief.

 

In der Früh war´s besser als erwartet. Grob aufgeräumt, alles Grausliche weggeputzt, der Müll sogar sortiert! Mädels, danke! Das war echt Weltklasse von euch. Da können sich die Herren der Schöpfung wieder mal ein Scheibchen von euch abschneiden.


Ob es gröbere Zwischenfälle gab? Nicht, dass ich wüsste.
Ob die Oma im Untergeschoss ihres Schlafs beraubt wurde? Nicht, dass sie wüsste. 


So schlimm kanns also wirklich nicht gewesen sein ;).

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